Wie ich zum Amateurfunk kam

Mein Weg zum Amateurfunk begann ca. Ende der 60er Jahre, als ich als technisch interessierter Junge aus der Phase des "Ausschlachtens" alter Radios dazu über ging, die Dinger auch wieder zusammenzusetzen und (zunächst vergeblich) zum Laufen zu bringen. Da der Gebrauch von Netzspannung mir damals streng untersagt wurde und ich mich nach eigenen "Erfahrungen" zunächst auch daran hielt, hatte ich als Erstes das Schlüsselerlebnis "Detektorempfänger". Dieser Schritt wurde von meinem Vater mit großem Interesse verfolgt, hatte er doch auch als Junge in meinem Alter mit solchen Geräten das Erlebnis "Rundfunk" erfahren. Die oft mühseligen Versuche des Herumstocherns auf dem Kristall ließen uns zu dem Schluß kommen, die ganze Sache etwas zu modernisieren. Aus diesem Grund erhielt ich von ihm mein erstes, damals sündhaft teures Halbleiterbauteil: eine Germaniumdiode OA625. Diese Modernisierung hatte nebenbei den sicher nicht bedachten großen Vorteil, dass man nun auch nachts unter der Bettdecke (unbemerkt) problemlos weiter hören konnte.

Seit dieser Zeit läßt mich der "HF-Bazillus" nicht mehr los.

In unserer Schule gab es zu dieser Zeit eine Arbeitsgemeinschaft "Elektrotechnik", in der auch der sachgerechte Umgang mit alten Röhrenradios, dem Bau von Netzteilen (mit RGN1064) für Gleichstromgeräte und einfachen Röhrenverstärkerstufen, die für eine Beschallungsanlage verwendet werden sollten, erlernt werden konnte.
Von dem Schulfreund meines Vaters bekam ich anläßlich eines Messebesuches das Buch von Ing. Heinz Richter "Radiobasteln für Jungen" geschenkt. Das brachte den entscheidenden Durchbruch bei den Selbstbauversuchen.

Die ersten selbstgebauten Kommunikationseinrichtungen dieser Zeit waren mit Bindfäden verbundene Blechbüchsen. Dieses Kommunikationssystem wurde uns jedoch nur im Hof gestattet. Da mein Schulfreund aber im anderen Block über der Straße wohnte, beschlossen wir uns kleine Handfunkgeräte zu bauen. Woher die Anleitung dazu stammte läßt sich heute nicht mehr sagen. Erste Teile dazu wurden gebaut und auch in unserer AG in der Schule präsentiert ...

... dann begann das Dilemma ... !

Uns wurde sehr bestimmt mitgeteilt, das unser Tun verboten sei und wir das Ganze schleunigst wieder auseinanderbauen sollten. In einem Nebensatz wurde aber erwähnt, das nur Funkamateure Sender bauen dürfen. Damit war das Zauberwort gesagt!
Gedacht, getan - werden wir eben Funkamateure und bauen dann weiter....
Auf unsere Frage, wie man denn (schnell) Funkamateur wird, bekamen wir die Antwort: Da müßt ihr zu einer Klubstation der GST!

Ja und das war's dann erstmal. ...

Den Zahn - mal eben schnell eine Amateurfunklizenz zu bekommen, bekamen wir gleich beim ersten Kontakt gezogen - und selbst - quasi "von zuhause" schon gar nicht! Trotzdem hat das Treiben dort uns mächtig begeistert, denn wir realisierten, das man nicht nur mal eben über die Straße funken konnte sondern in die ganze Welt - auch in den "Westen"! - an Telefon (für alle - und heute in jeder Tasche) sowie Internet war ja nicht im entferntesten zu denken. Und obendrein war das dort auch eine richtig dufte Truppe!
Also wurde ich im Jahr 1970 Mitglied in der GST an der Leipziger Amateurfunk-Klubstation DM3GM am Marienplatz.
Zuerst wurde die Funkersprache - Telegraphie - "Morsen" - gelernt. Das trennte dann jedoch die "Spreu vom Weizen". Von den zehn Begeisterten am Anfang sind letztendlich nur zwei nach fünf bzw. sechs Jahren bis zur Amateurfunk-Lizenz gekommen.